The beauty in the cage – Gedanken zur Tierfotografie

Zootiere stellen für viele Hobbyfotografen ein spannendes Betätigungsfeld dar. Im Zoo kann man eine Vielzahl an Tieren bestaunen, ihre Interaktionen beobachten oder einfach ihre Schönheit bewundern. Als Fotograf kann man in einem einigermaßen geschützten Raum Kameraeinstellungen ausprobieren und sich an der an sich nicht leichten Tierfotografieren üben, da die Gehege sich nicht ändern und die meisten Tiere ihre Routen und Orte in den Gehegen haben, so dass man über die Wiederholung ausprobieren kann, wo man sich ideal positioniert, um die besten Fotos zu bekommen.Die Fotos, die auf diese Art und Weise entstehen, sind vielfältiger Natur. Es können vornehmlich Portraits sein, oder Bilder, die Spiel, Fütterung, Interaktion darstellen. Dabei variiert die Komposition und gibt über das Framing unterschiedlich viel Gehege in das Bild. Meine Portraits blenden das Gehege, die Zäune und selbst die verräterische und selten lebensraumnahe Natur weitgehend aus.Neben der darstellerischen Leistung hat die Zoofotografie auch unterschiedliche Funktionen für die Fotografen. Es mag hierbei um das kulturell oder gar genetisch verankerte Gefühl von Schönheit oder Niedlichkeit gehen, welches im Zentrum der Intention des Fotografen liegt. Es mag um die Imitation bestimmten fast archetypisch verankerten Tierbildern gehen: der stolze Löwe, das lustige Erdmännchen, die schöne Giraffe, der kluge Affe. Möglicherweise sollen die Fotos im Wettbewerb mit anderen Fotografen mehr Schärfe, mehr Auflösung oder anderes haben. Vielleicht sollen sie den Kern des Tieres für den Betrachtenden offenlegen. Meine Portraits sind von der Intention getragen, die Würde der Tiere, ihren eigenen Blick einzufangen, den Betrachter zum Füllen der Lücke einzuladen.Insbesondere aber die Würde der Tiere bleibt in diesem Prozess zweifelhaft. Welche Würde hat ein Tier? Einfacher zu beantworten ist vielleicht die Frage nach den Rechten. Tiere sollten das Recht haben, eben wie der Mensch, in Freiheit zu leben. Dieses Recht wird ihnen im Zoo genommen. Entweder sie werden in Gefangenschaft verbracht oder sie werden dort geboren. Tiere sollten das Recht haben, ihren Lebensraum zu nutzen, wie es ihrer Natur oder gar ihren Absichten entspricht. Auch dies wird durch die Architektur der Zoos und der ständigen Eingriffe der Menschen verhindert. Die Beschneidung der Rechte der Tiere betrifft jeden ihrer Lebensbereiche: welches Futter nehmen sie zu sich? Wann tun sie dies? Ist es ihnen möglich, einen Partner frei zu wählen, wie in der Natur? Ist es ihnen möglich, den Zoobesuchern auszuweichen? Werden ihre Gruppenstrukturen und ihr Bewegungsverhalten respektiert? Diese Fragen werden in unterschiedlichem Maße in den verschiedenen Zoos mit einer Variante des ‚Nein‘ beantwortet.Die Tiere haben dort für den Besucher und Zoofotografen die Funktion, den Zweck, auffindbar und ansehnlich zu sein. Sie repräsentieren die Leistung des Menschen, sich die belebte Natur unterzuordnen und eine alternative Natur zu konstruieren.Es ist möglich, Zoos als Verbrechen gegen die Rechte der Tiere zu sehen. Natürlich wird gerungen, die geltenden Tierschutzgesetze einzuhalten, so dass ein Verbrechen im juristischen Sinne hier eine zu ahnende Ausnahme darstellen dürfte. Moderne Zoos versuchen mit viel Aufwand, alte Gehege zu modernisieren und die Bedürfnisse zwischen Mensch und Tier auszugleichen.Gleichzeitig übernehmen Zoos eine aus ihrer Sicht wichtige Aufgabe in der Erhaltung des Artenschutzes und des Genpools von stark gefährdeten Arten. Hier kann man argumentieren, dass diese Aufgabe eventuell besser in der Hand von staatlich geförderten Institutionen liegen sollte, weil sie ein Zweck an sich ist. Ein Zweck, der keine Besucher benötigt. Eine andere Intention von Zoos ist es, Menschen, die keine Möglichkeit haben, Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum zu sehen, die Möglichkeit zu geben, eine Bindung zu den Tieren und einen Willen zum Schutz der Tiere zu erlangen.Darüber hinaus ist es auch naiv anzunehmen, es gäbe noch viele echte natürliche Lebensräume für wilde Tiere, vor allem für die, die in Zoos als besonders ansprechend angesehen werden, also Löwen, Tiger, Elefanten, Leoparden, Eisbären und andere mehr. Selbst die Nationalparks Afrikas können als Superzoos betrachtet werden, in denen zwar nicht gefüttert wird, aber in denen auch mehr und mehr Fototouristen ihre Spuren hinterlassen.In letzter Konsequenz bleiben Zoos aufgrund ihrer Natur problematisch. Die Tiere sind unfrei und der Mensch stellt oft einen störenden Einfluss auf ihre Natur dar. Hierbei konstruiert die Bilderflut der Zoofotografen eine parallele Welt, die aus spielenden Tierbabys, genüsslich schlafenden Löwen und mächtigen Gorillas besteht. Die Situationen der Tiere werden in die Konstruktion oft nicht einbezogen oder in der Nachbearbeitung verändert, entfernt oder entschärft. Zäune verschwinden entweder im Beschnitt oder über das Einfügen von Blattwerk aus anderer Stelle. Schilder werden überstempelt und alles Störende fällt der Bearbeitungsmacht der digitalen Werkzeuge zum Opfer. Die Zoos selber verstärken diesen Trend über Regelwerke, die die Abbildung von Gehegen als solche oder Zäunen, Seilen und Absperrungen verbieten. Es entsteht eine Welt, die stark von der rechtlichen und politischen Situation der Tiere abweicht. Eine Traumwelt.Meine Portraits sind sicherlich mit allen Konsequenzen ein Teil dieser Traumwelt.